Gipskartonplatte (GK) ist ein Bauteil des Trockenbaus, das aus einem Gipskern besteht, der beidseitig mit Karton ummantel ist. Die Kartonschichten dienen als Armierung und Oberflächenschicht für Spachtlung und Oberflächenbehandlung.
Aufbau und Zusammensetzung
Der Gipskern besteht aus Calciumsulfat-Dihydrat, das durch Erhitzen von Rohgips entsteht. Die Kartonummantelung ist eine mehrlagige, speziell geleimte Papierkonstruktion, die sowohl Schutz als auch Stabilität bietet. Die Plattendicken sind standardisiert; gängige Formate sind 9,5 mm, 12,5 mm, 15 mm und 20 mm. Standardbreiten liegen bei 600 mm oder 1.200 mm, Längen bei 1.200 mm bis 4.000 mm.
Typen und Eigenschaften
Gipskartonplatten werden nach Anforderungen klassifiziert:
• Typ A: Standard-Gipskartonplatte ohne besondere Anforderungen
• Typ F: Feuerhemmend nach EN 520, enthält Feuerschutzmittel; Rohdichte etwa 750 bis 900 kg/m³
• Typ H: Feuchteresistent, imprägniert für Nassräume; Rohdichte etwa 800 bis 950 kg/m³
• Typ P: Mit verbesserter Feuchte- und Schlagfestigkeit
Die Biegezugfestigkeit liegt typischerweise bei 1,5 bis 2,5 MPa in Längsrichtung. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt etwa 0,20 bis 0,25 W/(m·K).
Anwendung im Trockenbau
Gipskartonplatten werden als Schale auf Ständerwerk aus Stahlprofilen oder Holzständern befestigt. Anwendungen umfassen Innenwände, Deckenverkleidungen, Geschossdecken-Unterseite und Fassaden-Vorsatzschalen. Besonders in Holzhochbau-Projekten kommen feuerhemmende Typ-F-Platten (R 30, R 60, R 90) zum Einsatz. Die Plattenverbindungen erfolgen durch Kleben und/oder Verschraubung mit Spanplattenschrauben (Kopfdurchmesser mindestens 10 mm, Eindrehtiefe etwa 10 mm).
Verarbeitung und Oberflächenbehandlung
Nach dem Verlegen werden die Stoßfugen gespachtelt. Standard-Spachtelmasse auf Gipsbasis wird in mehreren Lagen aufgebracht (Körnung 0 bis 0,1 mm bei Fertigspachteln, bis 0,5 mm bei handwerklicher Verarbeitung). Nach dem Trocknen erfolgt Schleifen (Körnung P150 bis P220) und Grundierung vor der Endbeschichtung (Farbe oder Tapete).
Gipskartonplatten in modernem Holzhochbau
In Holzhochbau-Projekten wie dem HoHo Wien spielen Gipskartonplatten als Bekleidung von Holzträgersystemen eine wichtige Rolle für den Brandschutz. Sie werden etwa auf BSH-Träger (Brettschichtholz) und Brettsperrholz-Elemente aufgebracht. Eine typische Ausführung sieht vor: ein Holzträger F 90 mit den Abmessungen 240×600 mm, belegt mit 2×12,5 mm Gipskartonplatte Typ F, ergibt eine Gesamtmasse von etwa 69 kg/laufendem Meter und erfüllt die Feuerwiderstandsklasse R 90-B. Damit ermöglicht die Gipskartonplatte in Kombination mit Holzwerkstoffen wirtschaftliche Konstruktionen für mehrgeschossige Holzgebäude, wie sie in Wien und anderen europäischen Zentren realisiert werden.