Die Steinrohdichte von Kalksandstein wird in kg/dm³ angegeben und auf den bis zur Massenkonstanz bei 105 °C getrockneten Stein bezogen. Das Steinvolumen wird dabei einschließlich etwaiger Lochungen und Grifföffnungen ermittelt. Anhand dieser Rohdichte erfolgt die Einteilung in Rohdichteklassen (RDK), die von 0,9 bis 2,2 reichen. In der Praxis werden im Wesentlichen die Rohdichteklassen 1,4 bis 2,2 hergestellt. Die RDK-Klassifizierung erlaubt eine systematische Auswahl des passenden Steins für unterschiedliche bauphysikalische Anforderungen – von tragenden Innenwänden bis zu Außenwänden mit Wärmeschutzauflagen.
Wie funktioniert die Klassifizierung nach Rohdichte?
Die Rohdichte eines Baustoffs bezeichnet die Masse bezogen auf das Volumen. Im Mauerwerksbau wird sie in Rohdichteklassen von 0,35 bis 2,4 eingeteilt, wobei für Kalksandstein der Bereich von 0,9 bis 2,2 relevant ist. Jede Rohdichteklasse definiert einen konkreten Wertebereich. Beispielsweise entspricht RDK 1,0 einer Rohdichte von 0,91 kg/dm³ bis 1,00 kg/dm³, RDK 2,0 umfasst 1,81 kg/dm³ bis 2,00 kg/dm³.
Voll- und Blocksteine sind dabei den Rohdichteklassen ≥ 1,6 zuzuordnen, Loch- und Hohlblocksteine den Rohdichteklassen ≤ 1,6. Ob Steine der Rohdichteklasse 1,6 zu den Voll- oder Lochsteinen zählen, hängt vom prozentualen Lochanteil ab. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Klassifizierung nach DIN-Normen und die Auswahl des passenden Mörtels für die jeweilige Steinart.
Welche Eigenschaften bestimmt die Rohdichteklasse?
Die Rohdichteklasse beeinflusst mehrere zentrale Baustoffeigenschaften:
- Druckfestigkeit: Je höher die Rohdichte, desto höher in der Regel die Druckfestigkeit. Kalksandsteine höherer RDK eignen sich daher für tragende Wände in mehrgeschossigen Bauwerken.
- Schalldämmung: Schwerere Steine (höhere RDK) bieten aufgrund ihrer Masse eine bessere Luftschalldämmung. Für Trennwände zwischen Wohneinheiten oder Büros sind Steine der RDK 2,0 oder 2,2 oft die erste Wahl.
- Wärmeleitfähigkeit: Mit steigender Rohdichte nimmt die Wärmeleitfähigkeit zu, die Dämmeigenschaften werden ungünstiger. Steine niedrigerer RDK (1,4 bis 1,6) können daher in einschaligen Außenwänden Vorteile bieten, wenn zusätzliche Dämmung integriert wird.
Diese Faustformel gilt grundsätzlich für alle Mauersteine: Je schwerer der Stein, desto höher die Druckfestigkeit und der Schalldämmwert, desto höher aber auch die Wärmeleitfähigkeit – und desto schlechter die Dämmeigenschaften.
Welche Rohdichteklassen sind üblich?
In der Baupraxis dominieren Kalksandsteine der Rohdichteklassen 1,4 bis 2,2. Leichtere Steine (RDK 1,4 oder 1,6) kommen vor allem in Außenwänden mit gedämmten Konstruktionen oder in nichttragenden Innenwänden zum Einsatz, wo geringeres Gewicht Vorteile bei Verarbeitung und Statik bietet. Schwerere Steine (RDK 2,0 oder 2,2) werden bevorzugt, wenn hohe Tragfähigkeit oder exzellente Schalldämmung gefordert ist – etwa in Geschosswohnungsbau oder Hotels.
Zum Vergleich: Porenbeton liegt mit Rohdichten zwischen 0,30 kg/dm³ und 1,00 kg/dm³ deutlich unter Kalksandstein. Mauerziegel decken einen breiten Bereich von 0,55 kg/dm³ bis 2,4 kg/dm³ ab. Kalksandstein füllt somit im mittleren bis schweren Segment eine wichtige Nische für massives, tragfähiges Mauerwerk.
Zusammenhang mit Steindruckfestigkeitsklassen (SFK)
Rohdichteklassen und Steindruckfestigkeitsklassen (SFK) sind eng verknüpft, aber nicht identisch. Die SFK gibt die charakteristische Druckfestigkeit in N/mm² an, die RDK das Gewicht pro Volumen. In der Regel steigt die Druckfestigkeit mit der Rohdichte, sodass Planer bei der Auswahl beide Parameter berücksichtigen müssen. Ein Kalksandstein der RDK 2,0 erreicht typischerweise höhere SFK-Werte als einer mit RDK 1,4 – was für tragende Wände in mehrgeschossigen Bauten entscheidend ist.
Praxisrelevanz für Architekten und Bauleiter
Die RDK-Klassifizierung ermöglicht eine präzise Materialauswahl nach bauphysikalischen Anforderungen. Bei Außenwänden mit hohem Wärmeschutzanspruch sind niedrigere RDK (1,4 bis 1,6) in Kombination mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder gedämmten zweischaligen Konstruktionen sinnvoll. Für Brandwände, Treppenhauswände oder Trennwände zwischen Wohneinheiten empfehlen sich dagegen Steine der RDK 2,0 oder höher, um Schallschutz- und Brandschutzanforderungen sicher zu erfüllen.
Für die Ausschreibung genügt die Angabe von RDK und SFK, um eine eindeutige Materialspezifikation zu erreichen. Verarbeiter profitieren davon, dass höhere RDK in der Regel auch eine höhere Maßgenauigkeit bedeuten, da die Verdichtung bei der Herstellung intensiver ausfällt.
