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Fenster tauschen — was bestellen? — Welche Maschine, welche Anbieter?

Empfohlene Klasse
Kunststoff/Holz/Alu
Typische Dauer
1-2 Tage/Fenster
Kostenschätzung
400-1.500 €/Fenster

Überblick

Der Fenstertausch gehört zu den häufigsten Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand. Ob Kunststoff-, Holz- oder Alufenster — die Entscheidung hängt von bauphysikalischen Anforderungen, Denkmalschutz-Auflagen und Budget ab. Pro Fenster ist mit 1-2 Tagen Arbeitszeit zu rechnen, wobei die Kosten zwischen 400 und 1.500 Euro liegen. Neben dem reinen Materialeinkauf sind Demontage, fachgerechte Abdichtung nach ÖNORM B 5320 und Entsorgung der Altfenster einzuplanen. Spezialwerkzeug ist in der Regel nicht nötig, Standard-Elektrowerkzeuge reichen aus.

Die Geräteklasse richtet sich nach Fenstergröße und Gewicht: Für Standardfenster bis 100 kg genügen Akkuschrauber, Säbelsäge und Montagekeile. Bei bodentiefen Elementen oder Hebeschiebetüren über 150 kg sind Saugheber oder Vakuum-Hebezeuge sinnvoll. Entscheidend ist die korrekte Montage: Fenster müssen wärmebrückenarm, luftdicht und schlagregensicher eingebaut werden. Die Wahl zwischen Kunststoff (günstig, wartungsarm), Holz (ökologisch, wartungsintensiv) und Aluminium (langlebig, teuer) bestimmt Lebensdauer und Folgekosten. Bei denkmalgeschützten Objekten ist oft nur Holz zulässig. Dieser Leitfaden erklärt den kompletten Prozess von der Auswahl bis zur Abnahme.

Schritt für Schritt

  1. 1. Bestandsaufnahme und Material-Auswahl

    Fensteröffnungen exakt ausmessen (Breite, Höhe, Tiefe der Laibung) und bauliche Besonderheiten wie WDVS, Rollladen-Kästen oder Fensterbänke dokumentieren. Entscheidung für Rahmenmaterial treffen: Kunststoff punktet mit niedrigem Preis und geringem Wartungsaufwand, Holz-Alu-Kombination bietet beste Wärmedämmung, Vollholz entspricht Denkmalschutz-Anforderungen. U-Wert, Schallschutzklasse und Sicherheitsausstattung (RC2-Beschlag) festlegen. Angebote einholen und Lieferzeit berücksichtigen — bei Sondermaßen 6-10 Wochen.

  2. 2. Demontage der Altfenster

    Fensterflügel aushängen, dann Blendrahmen mit Säbelsäge oder Multitool an mehreren Stellen durchtrennen. Rahmenteile vorsichtig aus der Laibung hebeln, um Mauerwerk nicht zu beschädigen. Alte Montageanker, Schaum- und Dichtstoffreste vollständig entfernen. Laibung auf Schäden prüfen — Risse spachteln, feuchte Stellen trocknen lassen. Fensterbänke innen und außen demontieren, falls Erneuerung geplant. Bei Putzanschlüssen außen 2-3 cm aufschneiden für spätere Abdichtung. Altfenster getrennt entsorgen: Glas, Kunststoff/Holz/Alu zum Wertstoffhof.

  3. 3. Einbau und Ausrichtung

    Neues Fenster mit Montagekeilen waagerecht und lotrecht ausrichten — maximale Abweichung 1 mm/m. Rahmendübel oder Laschen gemäß Herstellervorgabe setzen (Abstand max. 70 cm, Eckabstand 15-25 cm). Fenster öffnen und schließen prüfen, bevor endgültig fixiert wird. Bei WDVS-Fassaden Anschlussprofile oder Laibungsanschluss-Bleche verwenden. Flügel einhängen und Beschläge auf korrekten Anpressdruck einstellen. Fensterbank außen mit Gefälle (5°) montieren, seitlich und unten abdichten.

  4. 4. Abdichtung RAL-Montage

    Dreizonige Abdichtung nach ÖNORM B 5320 bzw. RAL-Montage: Außen diffusionsoffen (Kompriband oder Vorlegeband), Mitte wärmedämmend (PU-Schaum oder Dämmstoff-Streifen), innen luftdicht (Folienanschluss oder Dichtstoff). Montageschaum nur zu 2/3 der Fugentiefe einfüllen — quillt stark nach. Außenanschluss mit dauerelastischem Dichtstoff oder vorkomprimierten Dichtbändern sichern. Innen Dampfbremsfolie an Rahmen kleben oder Acryl-Dichtstoff ziehen. Bei Rollladenkasten-Anschluss besondere Sorgfalt — häufigste Wärmebrücke.

  5. 5. Innen- und Außenputz-Anschluss

    Innere Laibung verputzen oder verspachteln, Putzanschluss mit Gewebestreifen armieren. Außen Fuge mit Putz verschließen oder Anputzleiste verwenden. Fensterbank innen einbauen, seitlich und unten mit Dichtstoff abschließen. Rollladenkasten-Revisionsöffnung dämmen und verschließen. Alle Silikonfugen mit Glättmittel abziehen — saubere Optik, dichtere Fuge. Mindestens 24 Stunden aushärten lassen, bevor Fenster stark beansprucht wird.

  6. 6. Funktionsprüfung und Einstellung

    Flügel mehrfach öffnen und schließen, Leichtgängigkeit prüfen. Beschläge nachjustieren: Anpressdruck mit Schließzapfen einstellen, Ecklager für parallelen Spalt justieren. Dichtungen auf vollflächigen Kontakt kontrollieren. Blower-Door-Test oder Nebelprobe für Luftdichtheit durchführen. Kunden in Bedienung einweisen: Kipp-Vor-Dreh-Funktion, Winterstellung der Beschläge, Pflegehinweise für Rahmen und Dichtungen. Gewährleistungsunterlagen und Wartungsempfehlungen übergeben.

Kostenaufstellung

Kunststofffenster 1,3 × 1,5 m, 3-fach-Verglasung350-650 €inkl. Standardbeschlag, ohne Montage
Holz-Alu-Fenster gleiche Größe700-1.200 €höherer U-Wert, längere Lebensdauer
Montagematerial (Schrauben, Schaum, Dichtband)30-60 €pro Fenster, je nach Laibungstiefe
Fensterbank außen Aluminium40-90 €/minkl. Seitenabschlüsse
Fensterbank innen Kunststein/Holz25-70 €/mje nach Material und Tiefe
Entsorgung Altfenster15-35 €/StückWertstoffhof oder Container
Arbeitszeit Fachbetrieb (falls nicht Eigenleistung)200-450 €/Fensterinkl. Demontage, Einbau, Abdichtung

Häufige Fehler

  • Laibung nicht korrekt ausgemessen — Fenster passt nicht, Nachbestellung verzögert Projekt um Wochen und kostet 300-800 € extra
  • RAL-Montage ignoriert, nur Montageschaum verwendet — Wärmebrücken und Tauwasser führen zu Schimmel, Sanierung kostet 400-600 € pro Fenster
  • Anpressdruck der Beschläge nicht eingestellt — undichte Fenster erhöhen Heizkosten um 10-15 % pro Jahr
  • Fensterbank außen ohne Gefälle montiert — Wasser läuft nicht ab, durchfeuchtet Mauerwerk, Fassadenschaden ab 1.500 €
  • Altfenster ohne Sicherung demontiert — Glassturz führt zu Personenschaden und Haftungsrisiko, korrekte Arbeitsbühne/Absturzsicherung nötig
  • Montageschaum zu stark eingefüllt — Rahmen verzieht sich, Flügel schließt nicht mehr, Fenster muss ausgebaut und neu justiert werden

Häufige Fragen

Brauche ich eine Baugenehmigung für den Fenstertausch?
In Österreich ist der gleichartige Austausch von Fenstern in der Regel bewilligungsfrei, sofern Größe, Position und Optik im Wesentlichen gleich bleiben. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist vorab die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde einzuholen. Änderungen der Fenstergrößen oder -anordnung gelten als bewilligungspflichtige Baumaßnahme. In Wohnungseigentümergemeinschaften kann eine Zustimmung der Eigentümerversammlung nötig sein, besonders wenn einheitliche Fassadenoptik vorgeschrieben ist. Auch Bebauungsplan-Vorgaben zu Sprossenteilung oder Rahmenfarbe sind zu prüfen.
Was kostet der Fenstertausch komplett mit Einbau?
Die Gesamtkosten liegen bei 400-1.500 € pro Fenster, abhängig von Material, Größe und Ausstattung. Ein Standardfenster 1,3 × 1,5 m in Kunststoff kostet mit Einbau etwa 550-850 €, in Holz-Alu 900-1.450 €. Darin enthalten: Fenster, Montagematerial, Abdichtung, Fensterbänke und Arbeitszeit. Zuschläge entstehen bei Sonderformen (Rundbogen +150-300 €), RC2-Sicherheitsbeschlägen (+80-150 €) oder Schallschutzglas (+100-200 €). Förderungen wie die Sanierungsoffensive des Bundes können 30 % der Kosten abdecken, wenn U-Wert unter 0,9 W/m²K liegt.
Welches Werkzeug brauche ich für den Fenstertausch?
Für Demontage: Säbelsäge oder Multitool zum Durchtrennen des Blendrahmens, Stemmeisen, Hammer. Für Montage: Akkuschrauber, Schlagbohrmaschine, Wasserwaage (min. 100 cm), Montagekeile aus Kunststoff, Bandmaß, Cuttermesser. Für Abdichtung: Kartuschenpresse für Dichtstoffe, PU-Schaum-Pistole, Glättmittel. Bei schweren Fenstern über 100 kg: Saugheber oder Montagehilfe (2. Person). Profis nutzen Laser-Wasserwaagen für exakte Ausrichtung und Spezialwerkzeug zum Beschläge-Einstellen. Leihgeräte sind bei Baumärkten meist nicht nötig, Standard-Werkzeug reicht.
Kunststoff, Holz oder Alu — welches Material ist richtig?
Kunststofffenster sind günstig (350-650 €), wartungsarm und langlebig (30-40 Jahre), erreichen aber nur mittlere U-Werte. Holzfenster bieten beste Ökobilanz, benötigen aber Pflege alle 3-5 Jahre (Lasur) und kosten 500-900 €. Holz-Alu-Kombination vereint Vorteile: Innen Holz-Optik, außen wartungsfreies Alu, U-Werte bis 0,7 W/m²K — aber teurer (700-1.200 €). Vollaluminium ist robust und wartungsfrei, aber kältebrückenanfällig ohne thermische Trennung. Für Denkmalschutz ist oft nur Holz zulässig. Entscheidend: Budget, Wartungsbereitschaft und energetische Anforderungen.
Kann ich Fenster selbst tauschen oder brauche ich einen Profi?
Handwerklich versierte Bauherren können Standardfenster selbst tauschen, sparen dabei 200-450 € Montagekosten pro Fenster. Voraussetzung: Kenntnisse in RAL-Montage bzw. ÖNORM B 5320, korrektes Werkzeug und zweite Person zum Heben. Kritisch: Luftdichtheit und Wärmebrücken — Fehler führen zu Bauschäden. Bei WDVS-Fassaden, bodentiefen Elementen über 150 kg oder Denkmalschutz-Objekten ist Fachbetrieb empfohlen. Vorteil Profi: Gewährleistung, Erfahrung bei Problemlösungen, oft schnellere Ausführung (1 Tag statt 2). Nachteil Selbstbau: Haftungsrisiko bei Folgeschäden, kein Versicherungsschutz.
Wie lange halten neue Fenster und wann lohnt sich der Tausch?
Moderne Fenster halten 30-50 Jahre, abhängig vom Material: Kunststoff 30-40 Jahre, Holz-Alu 40-50 Jahre bei guter Pflege. Austausch lohnt sich bei Einfachverglasung (U-Wert > 5,0) oder alten Zweifachfenstern (vor 1995, U-Wert > 2,5) — Heizkosten-Ersparnis 15-25 % pro Jahr. Amortisation nach 8-15 Jahren, je nach Energiepreis. Auch bei verzogenen Rahmen, defekten Beschlägen oder durchfeuchteten Holzrahmen ist Tausch sinnvoller als Reparatur. Förderprogramme wie die Sanierungsoffensive verkürzen Amortisationszeit. Bei denkmalgeschützten Kastenfenstern ist oft Instandsetzung Pflicht.
Fenster tauschen: Kosten 400-1.500 € | Anleitung & Maschinen — Baustoffradar